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Rückblick UFA-Revue

Regional, authentisch, erfolgreich?! Chancen und Herausforderungen für nachhaltige Lebensmittel

Rückblick und Fazit zur Fachtagung “Regionalprodukte” vom 24. Februar an der HWZ Zürich.

Bereits die hohe Anzahl der Teilnehmenden an der Fachtagung “Regionalprodukte” zeigt, Regionalität und Regionalprodukte sind mehr als nur ein Trend, stossen auf grosses Interesse und haben nachhaltiges Potenzial. In den Vorträgen und Interviews mit renommierten Experten aus unterschiedlichen Unternehmen und Bereichen bestätigt sich diese Aussage. Allerdings sehen die Experten auch einige Herausforderungen, welche Regionalprodukte in Zukunft meistern müssen.

Die Veranstaltung wurde von Dr. Stephan Feige, Leiter der Fachstelle für authentische Markenführung an der HWZ, organisiert und eröffnet. In einem kurzen Bericht gab er Einblicke in aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und stellte Projekte aus der Praxis vor. Im weiteren Verlauf führte er durch die Veranstaltung.

Es liegt in der Natur von Regionalprodukten, dass diese in eher kleineren ländlichen Gegenden produziert werden. Der Absatzmarkt ist im Sinne von “Regionalprodukte sind Produkte von hier” auch dementsprechend klein. Um also langfristig erfolgreich zu sein, müssen Regionalprodukte – so die einheitliche Meinung der Experten – als authentische Spezialitäten aus bestimmten Regionen produziert und positioniert werden. Lars Mächler, Verantwortlicher für die regionalen Molkereien bei der Emmi Schweiz, verfolgt den Ansatz, aus der Region nationale Produkte zu kreieren. Das Potenzial – insbesondere auch für kleinere Betriebe – liegt in einer eigenständigen Positionierung und einer klaren Differenzierung vom Wettbewerb. So stellt auch Marc Muntwyler von der Coop klar, dass Regionalprodukte nicht a priori besser sind, sondern sich durch einen eigenständigen Charakter abheben müssen. Dementsprechend einen schwereren Stand haben unverarbeitete oder nur wenig verarbeitete Produkte wie Früchte und Gemüse oder Milch, da sie praktisch kein Differenzierungspotenzial besitzen. Sie werden insbesondere gekauft, um die Nähe zum Bauern auszudrücken und um die regionale Wertschöpfung zu erhalten.

Dies drückt sich auch in den Preisprämien aus. Für unverarbeitete Produkte kann nur ein sehr geringes Premium erzielt werden. Bei echten und authentischen Spezialitäten wie einem speziellen Käse oder auch bei Fleischprodukten können hingegen ansehnliche Preisprämien realisiert werden – so das Fazit der Experten. Hier gilt es allerdings auch zu berücksichtigen, dass solche Produkte nur eine sehr kleine Nische adressieren, in dieser aber sehr erfolgreich sein können, wie Jasmine Said-Bucher, Geschäftsführerin von Alpinavera schildert. Wichtig ist in diesem Sinne, dass regionale Versprechen eingehalten, kontrolliert und zertifiziert werden.

Etwas umstritten ist, inwieweit sich die tatsächliche Zahlungsbereitschaft von Konsumenten für Regionalprodukte von der in Befragungen geäusserten unterscheidet. Emmi und Coop spüren hier eher Druck, wohingegen Alpinavera und die Bergkäserei Seelisberg klare Vorteile auf Seiten der Regionalprodukte sehen. Urs Schneider, Präsident der Agromarketing Suisse ergänzt, dass Regionalprodukte in der Schweizer Bevölkerung auch Sympathie und Verständnis für die Landwirtschaft schaffen. Generell wird mindestens ein Teil der erhöhten Wertschöpfung für höhere Rohstoffpreise und kleinteiligere Logistik benötigt. So beschreibt Christian Keller, General Manager von Hirz, dass sie zwar mit ihrem regionalen Joghurt-Sortiment Erfolg haben, sich die Marge der regionalen Varianten allerdings praktisch nicht von der herkömmlicher Joghurts unterscheidet bzw. teilweise sogar geringer ist. Allerdings lohnt sich aus Sicht von Hirz das Investment, da die Joghurt-Linie im Endeffekt zur Differenzierung beiträgt, in die eigene Marke einzahlt und sie als Unternehmen ihre soziale Verantwortung wahrnehmen.Generell bleibt festzuhalten, dass die Fachtagung ein voller Erfolg war. Regionalprodukte müssen, um langfristig Erfolg zu haben und eine Preisprämie realisieren zu können, authentisch, differenziert und klar positioniert sein. Zudem braucht es die gegenseitige Unterstützung – denn wenn sich die kleinen Fische im Teich gegenseitig zerfleischen, ist niemandem geholfen. Synergien zwischen den verschiedenen Marktteilnehmern sollten genutzt und optimiert werden. Wobei jeder Marktteilnehmer auch mit seinen eigenen Herausforderungen zu kämpfen hat.

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